To everything that will be
Woher nehme ich meine Inspiration? Wie erstelle ich Vorlagen und welche Materialien verwende ich? In dieser Blog-Serie werde ich den Hintergrund und den Gestaltungsprozess von ausgewählten Kunstwerken genauer beleuchten. Einen Video-Einblick sowie eine Materialliste findet sich am Ende.
Porträt mit Acrylfarben (Mixed Media), 50 × 80 cm
Die belebten Strassen von einem nächtlichen Japan sind voller Stimmen und hektischen Schritten. Leuchtschriften zieren die zahlreichen Bars und Restaurants und buhlen in einem überwältigenden Konkurrenzkampf mit ihrem nervösen Blinken die Aufmerksamkeit der Passanten. Hinter jeder Ecke, jedem Winkel gibt es etwas Neues zu entdecken. Es ist die perfekte Szenerie für eine Entdeckungsreise mit der Kamera.
Hinter diesem Werk steht ein sehr persönlicher Hintergrund, da es als Geschenk konzipiert wurde. Die Brücke zu Japan ergab sich durch die Vorlieben der abgebildeten Person, weswegen mir klar war, dass sich der Hintergrund in einer entsprechenden ostasiatischen Bildsprache bewegen soll.
Schritt 1:
Ich arbeite stets mit Referenzbildern, was in diesem Fall eine grob auf Photoshop zusammengestellte Vorlage war. Das Gesicht der Person stammt von einer Fotografie und das Modell der Jacke ist inspiriert von einem Kleidungsstück von Pinterest. Die Kamera, welche die Person um den Hals trägt, habe ich selbst abfotografiert, damit es sich um das exakte Modell des Porträtierten handelt. Referenzen für den Hintergrund stammen von diversen Fotografien aus dem japanischen Nachtleben, welche ich anschliessend durch andere Elemente ergänzt und überlagert habe.
Diese Vorlage muss überhaupt noch nicht stimmig aussehen! Es ist ein Zwischenschritt und eine hilfreiche Ausgangslage, damit ich besser sehe, was ich beim Malen noch abändern muss.
Schritt 2:
Meine Skizzen übertrage ich stets auf abgeschliffene und mehrmals grundierte Canvas-Boards, damit die Oberfläche nicht zu rau ist. (Dabei lohnt es sich, nicht zu viele Schichten mit Acrylfarbe zu legen, da es die Farbe sonst später zu stark aufsaugt.) Ich grundiere stets farbig, da die Tonwerte anschliessend einfacher abzuschätzen sind.
Schritt 3:
Aufgrund von persönlicher Präferenz beginne ich meist mit der Ausarbeitung des Gesichts der zentralen Figur. Da ich grundsätzlich versuche, Farben nicht nur punktuell zu verwenden, kann es aber gut sein, dass ich kleinere Sektionen im Hintergrund oder in der Kleidung auch bereits einfülle. Dieses Vorgehen hilft mir dabei, ein insgesamt stimmiges Farbkonzept zu verfolgen. Ein guter Trick, um Symmetrie zu erreichen, ist hierbei, ein Foto aufzunehmen und es digital zu spiegeln. Dies macht es einfacher, Unstimmigkeiten zu erkennen, die man nach langem Arbeiten am gleichen Element sonst kaum mehr entdecken würde.
Beginn mit dem Rendern des Gesichts
Erste Farb-Blöcke im Hintergrund
Schritt 4:
Nach dem vorläufigen Abschluss der zentralen Figur gehe ich zum Hintergrund über. Natürlich ist der Prozess immer ein dynamisches Hin und Her und lässt sich nicht so strikt in die verschiedenen Elemente unterteilen. Bei diesem Schritt hilft es mir persönlich sehr, mit semitransparenten Flächen zu arbeiten, durch deren wässrige Deckkraft die Skizze noch sichtbar bleibt. Mir fällt es so leichter, grossflächige und grobe Formen zu markieren, ohne mich sofort in Details zu verlieren.
Schritt 5:
Bei diesem Gemälde habe ich gegen Ende erstmals weitere Techniken integriert. Farbstifte entpuppten sich als sehr hilfreich, um kleinere Kontraste oder Tonwerte zu korrigieren, sofern die Leinwand zu Beginn genügend fein geschliffen wurde. In einem Folgeschritt habe ich auch Pastellpuder ausprobiert, um Licht und Schatten stärker zu steuern und den Fokus wirklich auf die Person im Zentrum zu richten. Es funktioniert sehr effektiv, um grössere Flächen abzudunkeln oder aufzuhellen und lässt sich auch mit Pinseln zusätzlich verblenden.
Schlussendlich habe ich das Ganze noch fixiert, was vor allem bei der Verwendung von lockeren Pigmenten essenziell ist. Das Video lässt sich auch auf meinem Instagram-Profil finden.
Materialliste:
Canvas-Board, 50 x 80 cm
Grundierung Acryl-Gesso (Lascaux)
Acrylfarben (Amsterdam)
Bleistift (Faber Castell)
Farbstifte (Caran d’Ache)
Artist’s Pastels (PanPastel)
Fineliner (Faber Castell)
White Gel-Pen (Gelly Roll 05, 08)
Fixativ (Lascaux 2070)
Pinsel (z.B Sostrene Grene 07)